Aus prinzipiellen, ethischen Gründen veröffentlichen wir unsere Musik nicht mehr über Spotify. Folgende zentrale Aspekte spielten für uns dabei eine Rolle:
Wir sehen, dass das Vergütungsmodell großer Streaming-Plattformen wie Spotify unabhängigen Künstlerinnen und Künstler zunehmend Nachteile bringt: Geringe Einnahmen pro Stream, eine Fokussierung auf Masse statt künstlerischer Tiefe, und ein System, das eher Konzernen und Playlisten-Betreibern zugutekommt. Zudem entsteht bei uns die Frage, ob wir mitwirken wollen an einem System, in dem Musik primär als austauschbares Massenprodukt behandelt wird – und ob die Mittelverwendung dieser Plattformen mit unseren ästhetischen und ethischen Werten vereinbar ist.
Auch das Thema KI-Musik ist für uns relevant:
Spotify hat zuletzt neue Regelungen angekündigt, um die Nutzung von KI-generierter Musik transparenter zu machen – etwa indem gekennzeichnet wird, wenn in einem Track KI-Instrumente, KI-Vocals oder KI-Postproduktion eingesetzt wurden (Quelle: Spotify).
Allerdings bleibt unklar, ob und in welchem Umfang KI-Musik – insbesondere von algorithmisch generierten Inhalten mit niedrigem künstlerischen Anspruch – auf der Plattform wirklich entschieden zurückgedrängt wird. Für uns stellt sich daher die Frage: Wollen wir Teil eines Systems sein, in dem eine Flut von automatisiert generierten Tracks die Aufmerksamkeit der Hörerinnen und Hörern und die Einnahmen-Verteilung beeinträchtigen kann?
Hinzu kommt die Frage der Daten- und Nutzungsrechte: Spotify verbietet zwar explizit das Training externer KI-Modelle mit ihren Inhalten (Quelle: musictechpolicy.com). Dennoch bleibt für uns das Risiko bestehen, dass Musik-Streaming-Daten als Teil von algorithmischen Systemen verwendet werden könnten, was uns als unabhängige Künstlerinnen und Künstler nicht vorteilhaft erscheint.
Ein weiterer wichtiger Beweggrund: Die Verbindung zwischen Spotify-Führung und Rüstungs-/KI-Militärtechnik. Konkret:
Der Spotify-Gründer und -CEO Daniel Ek steht über sein Investmentfondsunternehmen (Prima Materia) in Verbindung mit einer großen Finanzierungsrunde für das europäische Rüstungs-KI-Unternehmen Helsing. Helsing entwickelt laut Berichten KI-gestützte Systeme für militärische Zwecke (z. B. Drohnen) und wird mit einem Wert von rund 12 Mrd. Euro bewertet (Quelle: theoutpost.ai).
Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler haben daraufhin ihren Rückzug von Spotify angekündigt bzw. angekündigt, Musik von dort zu entfernen, mit der Begründung: „Wir wollen nicht, dass
unsere Musik Menschen- bzw. Kriegsopfern indirekt zum Schaden gereicht“ (Quelle: San Francisco Chronicle).
Wir sehen hier eine ethische Schnittstelle: Wenn wir Musik machen, wollen wir nicht, dass Einnahmen oder Plattform-Strukturen dazu beitragen, Technologien zu entwickeln, die wir nicht
unterstützen möchten.
Wir empfehlen allen Hörer*innen, alternative Angebote zu prüfen, bei denen faire Vergütung, Transparenz und künstlerische Integrität stärker im Fokus stehen. Zum Beispiel:
Bandcamp – direkte Verbindung zwischen Hörerin und Hörer mit der Künstlerin oder dem Künstler, faire Verteilungsmechanismen.
Qobuz – Der französische Anbieter hat öffentlich gemacht, dass er im Geschäftsjahr 2024 durchschnittlich ca. US $0,01873 pro Stream an Rechteinhaber ausgezahlt hat (entspricht rund US$ 18,73 pro 1.000 Streams) (Quelle: community.qobuz.com)
Weitere kleinere oder unabhängige Plattformen – Dienste mit fairen Konditionen, transparentem Modell und – wenn möglich – Unterstützung für künstlerische Vielfalt.
Musik bedeutet uns mehr als nur ein Produkt. Sie ist Ausdruck, Kultur, Kommunikation. In einer Zeit, in der Technologie, Masse und Marktlogik zunehmend dominieren, möchten wir bewusst einen anderen Weg gehen. Indem wir uns gegen ein bestimmtes Modell entscheiden, wollen wir unsere künstlerischen Werte und ethischen Prinzipien wahren – und euch als Hörerinnen und Hörer einladen, diese Entscheidung mitzutragen.
